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Wie repariert man ein Motorrad am Ende der Welt? - Gar nicht so einfach!

Schon in den ersten Tagen nach dem Unfall habe ich mich daran gemacht, unser Motorrad wieder in Schwung bringen zu lassen. BMW Argentinien zeigte sich nicht interessiert sich der Sache anzunehmen. Also blieb mir nichta anderes übrig, als die Organisation selbst zu übernehmen. Und ich habe fast den ganzen Sommer daran gearbeitet.

Kurt hat mich mit Motoaventura von Osorno Chile in Verbindung gebracht. Die wollten gerne helfen, machten mich aber auf die komplizierten Zoll und Transport Umstände aufmerksam. Ich kann das Motorrad nur in meiner Begleitung über die Grenze bringen. Also habe ich versucht das Motorrad in Argentinien reparieren zu lassen. Da aber von Feuerland aus das Argentinische Festland auf dem Landweg nur über Chile erreichbar ist, stellen sich da wieder die gleichen Hindernisse. Also von Ushuaia in einem Container nach Buenos Aires? Nein das geht auch nicht, da Feuerland eine Zollfrei-Insel ist und keine Ware aus dieser Insel in den Rest des Landes exportiert werden darf. Dann kann man sicher einen BMW Mechaniker nach Feuerland senden um den Schaden zu beurteilen, die Teile bestellen und bei einer zweiten Reise nach dem Süden das Motorrad reparieren, dachte ich mir. Aber da hat BMW Argentinien kein Gehör gehabt. Zudem habe ich gelernt, dass eine Ersatzteilbestellung in Argentinien gerne mal mehrere Monate in Anspruch nimmt, der Zoll ist da das Hauptproblem. So habe ich dann mit allen Mitteln versucht unser Motorrad bei meinem Händler in Bütschwil reparieren zu lassen. Marcel Eisenring hat mir seine Unterstützung zugesagt und sich an Hand von Fotos auch ein Bild über den Umfang der Reparatur gemacht. Aber auch diese Variante musste ich streichen. Trotz der Unterstützung durch die Botschaft konnte ich den Transport in die Schweiz von Feuerland aus nicht organisieren.

Nun wurde die Zeit knapp und mein Carnet de Passages läuft bald ab. Der ACS hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich die Zollkaution nur zurückerhalte, wenn ich das Motorrad aus Argentinien raus kriege oder es vor den Augen des Zolls verschrotten lasse. Dies gab mir überhaupt keine Lust und so Habe ich Marcel gefragt, ob er mir seinen Mechaniker ausleihen würde, um zusammen nach Feuerland zu reisen und den Töff zu flicken. Wie haben anhand von Erfahrungswerten, Fotos und meiner Schilderungen die Ersatzteile zusammengetragen und eingepackt. Dazu kamen noch ein paar spezielle Werkzeuge und am 29. Oktober sind Manuel Lenherr und ich nach Feuerland geflogen. Als wir nach 30 Stunden in Ushuaia unsern Mietwagen übernommen haben, warteten noch 230km über den Garibaldi Pass auf uns. Auf dieser nächtlichen Fahrt haben wir alle Wetterlagen erlebt. Zuerst eine klare Mond Nacht, dann Schneesturm, Regen und am Ende nur noch starken Wind, aber der gehört ja zu Feuerland. Im Hotel angekommen kam auch schon Willie daher um uns über die Vorbereitungen zu orientieren.

Früh morgens um 11 brachte uns Willie zu Ramon wo auch schon das Wrack stand. Manuel hat sich schnell an die Arbeit gemacht. Es ging nicht lange bis Ramons Schwager eintraf und sich ans Kochen machte. Schöne Steaks mit Gemüse im Sandwich. Dazu gab’s Bier oder Wein. Gut acht Männer waren anwesend um Manuel zu kontrollieren. Am Abend hat uns Ramon die Schlüssel zur Garage übergeben, da er am Sonntag spät schlafen wollte. Zu Allerheiligen sind wir etwas früher zur Arbeit gefahren. Die Arbeiten sind gut vorangekommen und pünktlich um eins kam schon wieder Ramons‘ Schwager, diesmal mit einem halben Schaf. Die Parilla wurde angefeuert und 12 Personen genossen ein super Asado. Hugo mit seiner neuen BMW R1200GS Adventure war auch dabei und hat Manuel gebeten die Zündung seines Motorrades zu kontrollieren. Am Abend war mein Motorrad wieder fast wie neu. Für Montag blieben nur noch Probefahrt und das ABS Modul einzustellen. Da wir aber keinen Servicecomputer mitnehmen konnten, wurde der Service an der Elektronik auf das Ende der nächsten Etappe in Santiago vertagt. Ich würde einfach ohne Bremskraftverstärker und ABS fahren.

Am Dienstag sind Manuel und ich nach Ushuaia gefahren und haben den Nationalpark am Ende der Welt besucht. Anschliessend kam die lange Rückreise. Trotz des Argentinischen Zolls, des Spezialstatus von Feuerland und der fehlenden Kooperation von BMW Argentinien konnten wir das Motorrad mit viel Aufwand wieder fahrtüchtig machen.

So repariert man ein Motorrad am Ende der Welt!

 

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